Vom Statisten zum Geschichtenerzähler
Die erste Begegnung mit dem Filmgeschäft kam Ende der 1970er Jahre, noch im Gymnasium: als Statist bei „The Prisoner of Zenda" mit Peter Sellers, produziert von der legendären Wien Film unter anderem in Schloss Schönbrunn und in der Votivkirche. Das Kostümdepot lag im Schwechaterhof an der Landstraße, wo heute ein Einkaufszentrum steht. Es blieb nicht beim Vor-der-Kamera-Stehen. Wolfgang lernte das Handwerk hinter der Kamera von der Pike auf — sprichwörtlich mit dem Besen in der Hand im Atelier. Als Mikro- und Kameraassistent bei TV-Spots, bei Sendungen wie „Ohne Maulkorb" und bei internationalen Großproduktionen.
Eine seiner Leidenschaften brachte ihn später noch einmal zurück vor die Kamera: In den 1990er Jahren stand er als Säbelfechter im Disney-Spielfilm „Die drei Musketiere" mit Kiefer Sutherland, Martin Sheen, Oliver Platt und Tim Curry am Set, gedreht in Wien und Umgebung. Zuletzt mit einem Kurzauftritt als Anwalt im französischen Film „Appearances" (2020) mit Karin Viard und Benjamin Biolay — eine Produktion, bei der seine eigene Firma als Serviceproduzent engagiert war.
Das Kostümdepot lag im Schwechaterhof — heute steht dort ein Einkaufszentrum.
Radio, Fernsehen, ORF
Parallel zum Film begann schon im Gymnasium eine zweite Karriere — beim Radio. Vom Schülerradio auf Ö1 über Ö3 bis zum Schulfunk, wo er noch als Gymnasiast als Co-Autor von Peter Dusek an der Serie „Umdenken, Neubeginnen" mitarbeiten konnte. Dann Aktueller Dienst im Landesstudio Niederösterreich, wo er am Ausbau des Lokalfernsehens mitwirken durfte und schließlich „Zeit im Bild 2". In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre verließ er den ORF in Richtung Film und gründet im Jahr 2000 seine eigene Produktionsfirma. Knapp 15 Jahre war er auch Chefredakteur des Branchenmagazins "mediabiz", Österreichs unabhängiges Magazin für die Film- und Audioindustrie.
Vom Schülerradio zur ZIB 2 — und dann nochmal von vorne.
Die eigene Produktionsfirma
Die eigene Produktionsfirma existiert seit 2000 — heute als RitzlFilm. Größter Erfolg als Produzent: „Die beste aller Welten", einer der erfolgreichsten österreichischen Kinofilme der letzten Jahre. Ausgezeichnet mit 2x GOLDENE ROMY, 5x Österreichischer Filmpreis, 4 Awards bei der Diagonale und insgesamt mehr als hundert internationalen Awards. Anfang der 2010er Jahre war er der einzige Produzent, der dem damals unbekannten und sehr jungen Salzburger Regisseur eine Chance gab und sein Projekt überall durchsetzte. Daneben Dokumentationen, Auftragsproduktionen und Service Producing für internationale Filmprojekte in Österreich. Wolfgang ist Certified Austrian Film Producer (CAFP) und GreenFilming Consultant.
Sehr wichtig war die Entscheidung sich mit Korea (Süd!) zu vernetzten und hier Koproduktionen zu initiieren - derzeit ist ein großes Spielfilmprojekt mit südkoreanischen Partner in der Finanzierungsphase, das eine in Österreich fast gänzlich unbekannte Dame der koreanischen Nachkriegsgeschichte zum Thema macht: Franziska Donner, die erste First Lady Koreas, die aus Inzersdorf, damals noch bei Wien, stammt. In Stoffentwicklung ist ein k-Drama, das fast ausschließlich in Österreich spielt.
2022 gründet er den Verlag Ritzberger und bringt als erstes Buch einen biografischen Roman über Franziska Donner heraus, weitere Bücher sind in Vorbereitung - ein Schwerpunkt soll, neben österreichischer Geschichte, Drehbüchern gewidmet werden, die sich, obwohl sie nie verfilmt wurden, eine Veröffentlichung verdienen.
Eine First Lady aus Inzersdorf. Manche Geschichten muss man erst entdecken.
Ein Generationsauftrag
Mit den Jahren ist für Wolfgang auch die Frage wichtiger geworden, was an Erfahrung, Wissen und Haltung an die nächste Generation weitergegeben werden kann.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei in der Arbeit mit jungen Menschen. Für den „Digitalen Kompass“, eine gemeinnützige Initiative zur Förderung von Nachrichtenkompetenz und digitaler Bildung an österreichischen Schulen, hat Wolfgang seit 2024 bereits weit über hundert Workshops an Schulen in ganz Österreich gehalten.
Dabei geht es weniger um Theorie als um Orientierung: Wie erkennt man verlässliche Quellen? Wie funktionieren Desinformation und Empörungsdynamiken im Netz? Und warum macht es einen Unterschied, ob Medien nur Aufmerksamkeit erzeugen oder tatsächlich informieren?
An der University of Applied Sciences St. Pölten ist er außerdem als nebenberuflicher Lektor im Bereich Medien und digitale Technologien tätig.
Aufmerksamkeit erzeugen können viele. Informieren ist etwas anderes.
Bühne, Säbel, See
Seit 1999 bildet Wolfgang gemeinsam mit Guido Mancusi das politische Kabarett-Duo Theuer & Schlächt. Die beiden kennen sich seit ihrer Schulzeit. Guido ist für die Musik zuständig, Wolfgang schreibt fast alle Texte und ist für alles Szenische verantwortlich. Fünf abendfüllende Programme bisher, dazu das während des Lockdowns entstandene Online-Programm „Kurzgeschichten". Der Retzer Theatersommer sah ihn als Schauspieler, Regisseur und zwei Jahre auch als Intendant.
Säbelfechten war früher mehr als nur ein Hobby. Wolfgang war Mitglied des österreichischen Nationalkaders, gewann u.a. 1992 den Wiener Säbelpokal, war österr. akademischer Meister, Staatsmeister und vertrat Österreich im Weltcup und 1993 bei der Fechtweltmeisterschaft in Essen. Genau diese Qualifikation hatte ihn auch in den Musketier-Film gebracht. Heute ist er leidenschaftlicher Segler — zeitweise auch Prüfer für Binnen- und Hochseescheine.
Genau diese Qualifikation hatte ihn auch in den Musketier-Film gebracht.
„Ich erzähle Geschichten."
Manchmal lächelt er dabei und ergänzt:
„Ich bin ein Gschichtldrucker."
Im Wienerischen ist das jemand, der Geschichten erzählt, um etwas zu erreichen oder besser dazustehen. Wolfgang verwendet das Wort bewusst — allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung:
Die Geschichte muss stimmen.
Sonst hält sie nicht.
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Theuer & Schlächt — irgendwo zwischen Engel und Teufel.
